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Moog Voyager vs. alter Minimoog D

ein kurzer Vergleich von Lutz Wernicke, 2004

  Wenn man irgendwann heiss auf einen Minimoog wird und es darum geht, sich einen zu besorgen, stellt sich schnell die Frage: Soll man sich auf dem Gebrauchtmarkt nach einem alten Minimoog umsehen oder lieber einen neuen kaufen in Form des aktuellen Minimoog Voyager?
Vor kurzer Zeit hatte ich das Glück, sowohl einen Voyager als auch einen Vintage 82er Minimoog für 5 Wochen bei mir zu Hause zu haben. Genug Zeit, um die beiden Modelle ausgiebig spielen und vergleichen zu können. So bin ich mittlerweile ziemlich vertraut mit all den Abwägungen bezüglich der Funktionsweisen, Steuerungsmöglichkeiten, Verarbeitungs- und Klangqualitäten.
Also, welchen Minimoog soll man nun nehmen? Hier möchte ich von meinen eigenen Erfahrungen beim Vergleich berichten:

  Hat man den Voyager vor sich, neigt man dazu, erst einmal durch die Presets zu steppen, wie man das heutzutage beim Anspielen neuer Synthesizer ganz automatisch tut. Speicherplätze hat der alte Minimoog jedoch nicht. Daher versuchte ich, den Voyager genauso direkt und intuitiv anzufassen wie seinen Vorgänger. Einfach mit den Reglern und Schaltern spielen und sich in einem Sound weiterbewegen. Yeah, der Voyager klingt gut! Saftig und rund. Die dicken Potiknöpfe lassen sich geschmeidig drehen, und sind dabei auch nicht zu leichtgängig. Aufgrund der überschaubaren Matrix lässt sich das Routing der Klangformung sehr gut nachvollziehen. So wird man schnell mit wunderbaren Soundergebnissen belohnt.
  Im Gegensatz zum alten Mini ist der Voyager mit einem eigenständigen LFO ausgestattet. So hat man alle 3 Oszillationen als eigenständige Klangerzeuger zur freien Verfügung. Beim alten Minimoog kann man lediglich wahlweise den 3. Oszillatior auch als LFO umfunktionieren, was eine leichte Einschränkung darstellt.
  Mit der Aftertouch-Funktion der Tastatur bin ich gar nicht zufrieden, denn sie arbeitet zu sprunghaft und nicht gleitend genug. Das betrifft ebenfalls die Feinheit der Anschlagsstärke. Hoffentlich ist es wirklich nur ein Softwareproblem, das mit einem zukünftigen Update beseitigt werden kann. Da der alte Minimoog jedoch weder Velocity noch Aftertouch hat, spielt das jetzt beim Vergleich keine Rolle.
  Der mir vorliegende Voyager macht ganz im Hintergrund ein komisches Britzelgeräusch. Es ist kaum auszumachen, wo das wohl herkommt. Mittlerweile liegt ja ein Update des Betriebssystems von 1.5 auf 2.x vor, und irgendwo las ich, dass dadurch dieses Geräuschproblem beseitigt werden konnte. Das wäre wirklich von Vorteil, obwohl ich finde, dass man dieses leise Zischeln nur dann hört, wenn man sich mit ganz feinen Ohren mit dem Instrument beschäftigt. Bei normalem Umgang wird man dies wohl kaum bemerken.

  Der alte Minimoog ist in einigen Funktionen vergleichsweise einfacher gestaltet. Ihm fehlt die MIDI-Implementation, und man denkt beim Soundbasteln auch nicht ans Speichern oder Archivieren der Einstellungen, weil es eben gar nicht möglich ist. Man spielt einfach, arbeitet sich in die Klänge rein und fährt ab. Klasse.
  Aber es gibt beim Minimoog auch etwas, was der neue Voyager nicht mehr hat:

1. die Wellenform „Sharktooth“ in Oszillator 1+2 (ca. zwischen Dreieck und Sägezahn)
- Die fließend einstellbaren Wellenformen des Voyagers gleichen dies jedoch voll aus.

2. die Wellenform „sawtooth upwards“ in Oszillator 3 (auch „ramp“ genannt)
- Diese lässt sich entweder als klangerzeugender Oszillator oder als LFO verwenden. Besonders als langsamer und mittelschneller LFO finde ich diese „Sägezahn aufwärts“-Wellenform äußerst inspirierend und kann echt nicht verstehen, warum beim Voyager darauf verzichtet wurde.

3. Die Filterresonanz kann extremer eingestellt werden als beim Voyager. Unebener, schmutziger und lebendiger. Auch klingen das Rosa bzw. Weisse Rauschen im eben genannten Sinne besser. Der Minimoog hat mehr diesen feinen attraktiven Schmutz im Klang.

Die Filter sind in beiden Moogmodellen grossartig, wirklich. Ganz typisch und unverkennbar die berühmte Moog-Klasse! Meiner Meinung nach ist es der rauhe Oszillator-Sound des alten Minimoog, der einen kleinen, aber feinen Unterschied im Klang ausmacht. Aber verstehe mich nicht falsch: Wenn Du einen Sound des alten Minimoog am Voyager nachbauen willst, bekommst Du es fast genau so gut hin. Dafür schalte den Voyager jedoch auf Mono und verwende nicht die „spacing“-Einstellung seines Filters, denn nur so erreicht man eine vergleichbare Direktheit des Synthesizer-Sounds.

  Wenn ich nicht diesen alten Minimoog D mein eigen nennen könnte, der ja einst quasi schicksalsmässig zu mir fand und mich direkt faszinierte und inspirierte, würde ich mir heutzutage ohne weiteres einen Voyager besorgen, der ein wundervoller reicher Moog-Synthesizer ist! Und ich würde mich dabei immer nach der aktuellsten Software seines Betriebssystems umsehen.

Übrigens kommt das Synth-Modul „Waldorf Pulse“ dem Moog-Sound schon sehr nahe. Zwar ist die Bedienung wesentlich fummeliger und längst nicht so intuitiv, dafür ist die volle MIDI-Implementation für den heutigen Studio- und LiveEinsatz nicht zu verachten.Vom Sound her kann ich den Waldorf Pulse als Moog-Ersatz nur empfehlen.

Nun, soweit meine knappen Ausführungen, die vielleicht dem einen oder anderen weiterhelfen. Ich wünsche Euch jedenfalls, dass Ihr den richtigen Moog findet! Manchmal dauert es etwas....


Lutz Wernicke     (Berlin, Germany)




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