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Fender Lite Ash Stratocaster

Lutz Wernicke testet 3 Modelle, alle gebaut im Mai 2005:

   Zum ersten Mal wurde ich 2006 in einem Musikladen auf diese koreanische Lite Ash Version aufmerksam, als ich sie neben anderen Strats anspielte. Sie war außergewöhnlich in Griffigkeit und Klang, sie gefiel mir und es schien ein für mich geeignetes Modell zu sein. Doch um „meine Lite Ash“ zu finden, wollte ich aus mehreren gleichen Modellen auswählen können, und so bestellte ich mir beim Musikhaus Thomann 3 gleiche Instrumente im Natural-Design nach Hause.

Nun hatte ich Raum & Zeit, einen Vergleichstest und genauere Untersuchungen vornehmen zu können, sowie über verschiedene Verstärker zu spielen. Alle 3 Gitarren wurden im selben Monat gebaut. Wo liegen da wohl die klanglichen Unterschiede?

Hier das Ergebnis:

Allgemeine Merkmale:

Hals & Kopfplatte:

Vogelaugen-Ahorn (Birdseye-Maple) für Hals und aufgeleimtes Griffbrett, geschmackvoll ausgewählte Hölzer, die sehr schön zueinander und zum Korpus passen.
Das Halsprofil „modern C-Shape“ entpuppt sich beim ersten Anspielen sofort als „V“-Form, dabei längst nicht so fett wie etwa ein 56er V-shape-„Prügel“, sondern eher schlank wie die Hälse der Strats in den späten 50er Jahren. Ungewöhnlich im Spiel, aber interessant. Zuverlässig ist der Hals mit 4 Schrauben an den Korpus geschraubt. Teilweise sind die Löcher nicht ganz mittig gebohrt, manchmal sehr dicht am Rand der Halstasche, aber ok.
- Geschlossene Mechaniken normaler guter Qualität (die Muttern sind von Werk aus etwas zu locker, also nachziehen)
- 22 Medium-Jumbo Bünde, gut abgerichtet. Doch die teilweise unsauber gefeilte Bundkanten scheuern die Hand und die hohe E-Saite bleibt schnell aussen hängen.
- 9.5” Griffbrett-Radius, also etwas flacher als der Vintage-Standard, sehr angenehm!
- Billiger Plastiksteg, teilweise zu eng gekerbt. Also etwas nachfeilen oder durch einen Knochensattel ersetzen.

Korpus:

Leichte Esche (Sumpfesche/Swamp-Ash), 2-teilig, schöne Naturoptik, dicker Klarlack
Übergrosse PickUp-Fräsungen im Neck- und Bridgebereich, die für eine eventuelle Humbucker-Bestückung ausgelegt sind.
2-Point Tremolo mit schwerem Messingblock, Reiter aus nicht magnetischem gepressten Stahl (ähnlich der American Standard Brücken). Nach einer Feineinstellung äusserst funktionabel.

Pickups, Saiten,
  Klangbild:

Seymour-Duncan Alnico-II PickUps (6-6,3 KOhm), 500 KOhm Potis:
Die Seymour-Duncan Alnico-II PickUps (mit gestaggerten, also abgestuften Magnetpolen) kommen etwas outputstärker daher als man es von normalen Vintage-Versionen gewohnt ist, und sie scheinen die Härte der verwendeten Tonhölzer ganz gut auszugleichen. Man sagt ja, Alnico II – Magnete klängen wie gealterte Alnico V, also etwas abgetragen und weniger scharf. Abgesehen von den bekannten Eigenarten der 5 Schalterstellungen, die auch bei der Lite Ash gelten, ist der übertragene Allgemein-Sound etwa so zu beschreiben:
Hohl-nasaler Charakter, durchsichtiges gläsern-glockiges Klangbild, süss und elegant.
Die von Werk aus aufgezogenen 09er Saiten bringen eine luftige Brillianz und den näselnd-schnarrenden Twang, mit einem 10er Satz klingt‘s dann etwas mittiger und leicht obertonärmer. Leider wird es bei der dazu erforderlichen neuen Intonationseinstellung äußerst knapp für den Reiter der tiefen E-Saite, da die Stegplatte ziemlich kurz sitzt. Hier sollte man die Feder des Brückchens um die Hälfte kürzen (abkneifen), dann klappt's.

Die 3 Gitarren im direkten Vergleich:

Gemeinsamkeiten
  & Unterschiede:

Alle 3 Instrumente schwingen frei heraus und klingen für sich gut – nach entsprechender Feineinstellung von Hals, Tremolo und Saitenlage. Praktisch, dass der Stahlstab zur Einstellung der Halskrümmung über die Kopfplatte erreichbar ist.
Die 3 Instrumente sind deutlich unterschiedlich schwer, von 3 bis 3,5 kg.
Der Halsübergang zur Kopfplatte ist jeweils unterschiedlich dick gearbeitet.
Die rückseitige Nussbaumstreifen-Einlage ist bei einem Hals nicht eben genug geschliffen, man spürt die unsaubere Kante beim Spiel.
Die Tremolo-Einheiten sind unterschiedlich in der Weite zum Schlagbrett angebracht, dazu bei zwei Instrumenten schief, und in einem Fall steht eine Schraubhülse ein Stück heraus, da nicht fest verankert (Loch zu weit).
Gleiche Features (Hölzer, Hardware, PickUps) lassen in der Regel Modellreihen entstehen, die untereinander ähnlich klingen - so auch hier. Jedoch hat jede Lite Ash Strat eine eigene Persönlichkeit, und man sollte es sich nicht entgehen lassen, aus mehreren Modellen und deren jeweils unterschiedlichen Klangcharakteristiken wählen zu können. Auf ersten Blick bzw. „Hör“ sehr ähnlich klingend, und dann im Detail doch individuell verschieden. Die Klangpalette der 3 vorliegenden Modelle reicht von „50‘s hohl“ bis „70‘s eschenhart“ und spitz. Frequenzmäßig unterschiedlich gelagerter Twang.

Lite Ash 1:

agiert in tiefen Lagen wunderbar voll und hat ganz feine höchste Höhen. Ideal für Soli im Clean-Sound, gute Ansprache und Griffigkeit bei Fingerspiel. Übrigens die leichteste von den drei Testmodellen (3 kg).

Lite Ash 2:

klingt dünner, etwas fleischloser, doch äußerst drahtig und snappy. Härter und scheinbar eine Oktave weniger Obertöne als Modell 1, höher gelagerte Mitten, schlanke Bässe. Transparent beim Akkordspiel, präsente Singlenotes. Wunderbare Durchsetzungskraft im Zerrbetrieb, etwa bei Akkord-Licks auf 2 oder 3 Saiten. (diese ist mit 3,5 kg die schwerste der 3 Lite Ashs)

Lite Ash 3:

kommt ausgewogen in allen Frequenzen, klanglich irgendwo zwischen den ersten beiden Modellen. Wollte man den Kompromiss „Mittelweg“ eingehen, wäre das die richtige Gitarre, doch wirkt sie zwischen den beiden anderen Lite Ashs charakterloser.

Abschließende Bemerkungen:

   Die Fender Lite Ash Stratocaster wurde als „limited edition“ von 2004 bis 2008 in Korea gebaut und ist jetzt nur noch auf dem Gebrauchtmarkt für ca. 350-400 EUR erhältlich. Es handelt sich um eine äußerst günstige Strat in guter Qualität und mit vielen interessanten Features. Eine American Deluxe Ash, die etwa die gleichen Baumerkmale aufweist, kostet dreimal so viel wie der Neupreis der Lite Ash einst war (ca. 450-500 EUR). Zwar ist die Lite Ash Strat ein Massenprodukt, quasi eine Gitarre von der Stange, doch findet man für sich die richtige, wird sie einem viel Freude bereiten. Ihr Sound ist eigenwillig und unterscheidet sich von anderen Stratocaster-Modellen in Sound und Handling. Testfilmchen auf YouTube sagen da übrigens überhaupt nichts aus, weil dort verschiedene Verstärker benutzt werden, die Spieler in ihrer Fertigkeit variieren und die Beiträge oft abenteuerliche Klangqualitäten aufweisen. Besser ist es, eine Lite Ash in die eigene Hand zu bekommen, um zu fühlen und zu hören, ob es eine geeignete Gitarre sein kann. Und sie wird zu finden sein: in lokalen Gebrauchtanzeigen oder bei Ebay, wo man sich vielleicht gleich 2 Lite Ash Strats ersteigert und dann eine wieder verkauft.

Empfehlenswerte Modifikationen:

   Durch kleine handwerkliche Nacharbeiten und Feineinstellungen wird die Lite Ash Stratocaster zu einem absolut professionellen Instrument. Wie schon erwähnt, sollte man unbedingt den Sattel nachfeilen oder ihn gleich durch einen Knochensattel ersetzen. Nicht zu vergessen die möglicherweise scharfen Bundkanten, die ebenfalls mit einer Feile abgerundet werden können. Die Vibratoeinheit ist eigentlich gut, so wie sie ist. Der Messingblock ist auf jeden Fall einem Zinkgussblock überlegen und hat gegenüber einem Stahlblock auch einen eigenen Charakter. Man denke z.B. an die Messing-Hardware von Schecter, die in den 70er und 80er Jahren sehr beliebt war.
   Die Seymour Duncan Pickups würde ich unbedingt in der Gitarre lassen. Nachdem ich verschiedene Fender Custom Shop Modelle ausprobiert hatte, bin ich letzlich wieder zur Ur-Bestückung zurückgekehrt. Keine anderen Pickups federn die harte und trockene Konstruktion der Lite Ash Strat so gut ab wie diese Alnico II Modelle von Seymour Duncan, die kräftig und leicht schmutzig daherkommen. Trotzdem bleibt eine perlende Brillianz des Gesamtsounds, die man sehr gut über die Ton-Potis abregeln kann. Empfehlenswert ist der Austausch des (linearen) 500 KOhm Volumen-Potis durch eine 250 KOhm Variante sowie das Verdrillen der beiden zur Ausgangsbuchse führenden Kabel. Dadurch wird der Sound der Gitarre insgesamt etwas abgemildert. (Man beachte, dass es sich hier lediglich um feine Nuancen handelt....)

Der Telecaster Lite Ash Test folgt demnächst!